Entstehung
Die Landschaft der Perchtoldsdorfer Heide entstand, als das Wiener Becken vor etwa 14 Millionen Jahren vom Meer überflutet wurde. Nur die Berge am Ostrand der Kalkalpen wie der Parapluiberg, der Anninger und der Lindkogel ragten als Inseln aus dem Meer. Über Jahrmillionen ebneten die Wellen den Untergrund aus Dolomitgestein ein. In den später folgenden Eiszeiten ging die Abtragung des Gesteins bis zur heutigen Form der Heide weiter. Reste des ehemaligen Meeres sind heute noch manchmal bei Aushubarbeiten im Sonnbergviertel zu bewundern - versteinerte Meeresbewohner, deren Schalen und Skelette in mehreren Metern Tiefe im Boden liegen. Besichtigen können Sie einige dieser Versteinerungen zum Beispiel in einer Vitrine beim Heurigen Kinder-Wurth in der Walzengasse.
Die Nutzung der Heide
Bereits seit der Jungsteinzeit vor über 7000 Jahren wurde die Landschaft von Menschen genutzt. Aus Perchtoldsdorf sind mehrere jungsteinzeitliche Siedlungen bekannt. Die Lage zwischen der Feuchten Ebene und dem Wienerwald bot nicht nur gute Bedingungen für Ackerbau und Viehzucht, sondern war auch relativ sicher und gut zu verteidigen. Der Wald um die Siedlungen wurde gerodet um Bau- und Brennholz zu gewinnen, Gräser und Kräuter konnten sich auf den freien Flächen ausbreiten und boten Haustieren wie Wildtieren neue ergiebige Nahrungsquellen.
Der steinige, trockene Boden der Heide ließ keine Ackernutzung zu, sie war daher jahrtausendelang eine wertvolle Weidefläche für Schafe, Ziegen und Rinder. Zahlreiche lichtbedürftige und trockenheitstolerante Pflanzen und Tiere der pannonischen Steppen konnten in dieser Zeit einwandern und auf der Heide Fuß fassen. Später, wahrscheinlich schon in römischer Zeit, entstanden die ersten Weingärten und Steinbrüche. Dauerhafte Siedlungen befanden sich allerdings auf der Heide aufgrund der Wasserknappheit wahrscheinlich nicht.
Im Mittelalter war der Weinbau und Weinexport so gewinnbringend, dass die Erweiterung von Weingärten sogar gesetzlich verboten werden musste, um die Versorgung der Bevölkerung mit Getreide, Milch und Fleisch sicherzustellen. Die relativ kahlen und baumfreien Viehweiden reichten damals bis auf den Parapluiberg.
Mit der Reblauskatastrophe ab 1872 erlebte auch der Weinbau eine schwere Krise, zahlreiche Weingartenflächen im Umland der Heide wurden nicht mehr bewirtschaftet und als Bauland verkauft.
Der Wandel zum Erholungsgebiet
Um die Jahrhundertwende vom 19. zum 20. Jahrhundert war die Heide noch doppelt so groß wie heute. Etwa 200 Rinder weideten hier und waren bis zum 2. Weltkrieg wichtige Fleisch- und Milchlieferanten. Aufkommende Bäume und Sträucher wurden gewissenhaft entfernt, um die Weideflächen zu erhalten. Mit der Eröffnung der Straßenbahnlinie 360 von Wien über Rodaun nach Mödling konnten nun erstmals zahlreiche Wanderer und Naturfreunde auf die Heide gelangen. Gleichzeitig stieg das Bewusstsein über die Schutzwürdigkeit der Heide. Waren es anfangs vor allem Blumenpflücker, die Kuhschellen oder Diptam zu hunderten mitnahmen, so gab es auch immer mehr Umwidmungen und zunehmende Verbauung von Teilen der Heide.
Im 2. Weltkrieg diente die Heide als Übungsgelände für Panzer, dadurch entstanden offene Böden auf denen Heidepflanzen wie -tiere optimale Bedingungen fanden.
Ab den 1950er Jahren wurde nur mehr der Bereich der heutigen Heide als Weidegebiet genutzt, Mitte der 1960er Jahre die Weidenutzung völlig aufgegeben. Durch fehlende Beweidung und Pflege breiteten sich danach Bäume und Sträucher aus. Einige Bereiche der Heide haben sich in den vergangenen 40 Jahren sogar zu dichtem Wald entwickelt. Dies trifft zum Beispiel auf das eingezäunte Naturschutzgebiet auf der Kleinen Heide zu, das deutlich zeigt was passiert, wenn die Heide nicht gepflegt wird.
Die Bedeutung als Erholungsgebiet nahm ab den 1960er Jahren stark zu. Hunderttausende Wiener wandern jährlich von Rodaun oder vom Heideparkplatz über die Heide auf die Föhrenberge. Viele Naturliebhaber kommen - oft von weit her - um die besonderen Pflanzen und Tiere auf der Heide zu beobachten und zu fotografieren.
Auch das Bewusstsein hat sich gewandelt. Die Heide ist nun nicht mehr nutzloses, aufgelassenes Weidegebiet sondern ein einzigartiges Natur- und Schutzgebiet, dessen Erhaltung immer vehementer gefordert wird. Wegen ihrer einzigartigen Tiere und Pflanzen wurde die Heide in das europaweite Netz von Schutzgebieten Natura 2000 aufgenommen. Für solche Schutzgebiete gilt ein Verschlechterungsverbot. Auch im gerade entstehenden Biosphärenpark Wienerwald wird unsere Heide als Pflegezone besonders hervorgehoben.
