Das Europäische Ziesel ist wohl das bekannteste und beliebteste Tier auf der Perchtoldsdorfer Heide. Nördlich des großen Wasserbehälters sind die meisten Ziesel zu finden, in den letzten Jahren weichen sie jedoch immer mehr auf andere Bereiche der Heide aus.

Das Ziesel ist ein Nagetier und gehört zur Familie der Hörnchen (Sciuridae). Sein Verbreitungsgebiet erstreckt sich über das südöstliche Europa, von Tschechien und Österreich über Ungarn und Rumänien bis nach Bulgarien. Auch in Teilen von Polen, der Ukraine, in Griechenland, in der Türkei und im ehemaligen Jugoslawien ist es zu finden. Alle Vorkommen sind jedoch inselartig und nur auf verstreute Gebiete beschränkt. In den letzten Jahrzehnten ist das Verbreitungsareal deutlich geschrumpft.

In Österreich erreicht das Ziesel seine westliche Verbreitungsgrenze. Es war früher in Niederösterreich und im Burgenland von Retz über Wien bis in den Seewinkel fast überall, örtlich sogar häufig anzutreffen. Im Tullner Feld wurden früher sogar Prämien für die Jagd nach Zieseln bezahlt. Heute sind auf Grund von intensiver Landwirtschaft, Zersiedelung und das Verschwinden von Trockenrasen nur mehr kleine, voneinander isolierte Bestände erhalten geblieben, die alle vom Aussterben bedroht sind. Daher steht das Ziesel auf der Roten Liste der gefährdeten Tierarten.
Nach europäischem Naturschutzrecht gehört das Ziesel zu den streng zu schützenden Tierarten von gemeinschaftlichem Interesse, für dessen Erhalt besondere Schutzgebiete ausgewiesen werden müssen.

Das Ziesel erreicht eine Größe von über 20 cm und ist damit etwas kleiner als ein Eichhörnchen. Es hat ein gelbgraues, relativ grobes, kurzes Fell, kurze Beine, kurze breite Ohren, große Augen und einen 5 bis 7 cm langen, dicht behaarten Schwanz.

Das Ziesel ist ein typischer Steppenbewohner des Tieflandes, der im Mittelalter aus Asien eingewandert ist. Durch Rodungen der Wälder entstanden in Europa in dieser Zeit attraktive Lebensräume für Lebewesen offener, trockener, steppenähnlicher Landschaften.
Der Boden muss für das Ziesel jedoch tiefgründig und gut entwässert sein, denn Ziesel leben in selbst gegrabenen Erdbauen. Beim Graben lockern sie die Erde hauptsächlich mit den Vorderbeinen, helfen dabei mit den Zähnen, scharren die Erde unter den Bauch und von dort mit den Hinterbeinen nach hinten und aus dem Bau heraus. Ziesel graben fast ständig. Deshalb findet man während der gesamten Wachzeit vor den Zugängen frische Erde.

Es werden immer zwei Arten von Bauen angelegt: Der Nest- oder Dauerbau liegt bis zu einem Meter tief, besteht aus mehreren Röhren und einem Nestraum und hat bis zu 5 Eingänge. In diesem verbringen die Ziesel die Nacht und den Winter und ziehen ihre Jungen auf. Als Abort dient eine zweite Kammer oder ein blind endender Gang. Weiters werden Schutzbaue angelegt, die meist nur aus einfachen Röhren bestehen. In diese flüchten die Ziesel bei drohender Gefahr. Obwohl Ziesel in Kolonien leben, besitzt jedes Tier seinen eigenen Bau.

Ziesel sind reine Tagtiere. Am Abend ziehen sie sich schon lange vor Sonnenuntergang in ihren Bau zurück. In heißen Perioden verbringen sie auch die Mittagszeit unter der Erde. Auch bei Kälte und Regen verlassen sie ihren Bau nicht. Am Morgen kommen die Ziesel an die Oberfläche. Zuerst verharren sie ruhig und beobachten ihre Umgebung. Erst dann beginnen sie zu fressen. Durch Männchen-Machen überwachen sie immer wieder ihre Umgebung. Bei Gefahr warnen sie durch schrilles Pfeifen und laufen vor ein Loch. Sie warten jedoch mit dem Verschwinden solange, bis der Feind sich genähert hat.

Die Nahrung der Ziesel besteht vor allem aus Samen. Sein Name Spermophilus bedeutet Samenfreund. Daneben werden auch Wurzelwerk, Zwiebel, Knollen, Gräser, Kräuter, aber auch Insekten und andere wirbellose Tiere gefressen. Ziesel fressen über der Erde und legen keine Vorräte in ihrem Bau an, weshalb man kein Futter in ihre Löcher werfen darf!

Vor dem Winterschlaf frisst sich das Ziesel große Fettreserven an. Die Dicke der Fettschicht kann bis zu 5 mm betragen. Im Jahresverlauf schwankt aus diesem Grund das Körpergewicht sehr stark zwischen 190 bis 430 g. In der zweiten Augusthälfte ziehen sich die älteren Männchen bereits in den Bau zurück. Die Weibchen folgen im September. Den Winterschlaf verbringen Ziesel in Kältestarre. Dabei sinkt die Körpertemperatur von 37 bis 38°C auf 6 bis 7°C ab! Die Blutmenge, die vom Herz transportiert wird, reduziert sich auf ein Siebzigstel! Sinkt die Außentemperatur so stark, dass die Körpertemperatur 5°C erreicht, so beginnt ein Kältezittern. Dadurch wird aus dem gespeicherten Fett Wärme produziert. Das Ziesel verbringt ein halbes Jahr im Winterschlaf. Im März erwachen zuerst die älteren Männchen, dann die älteren Weibchen. Ab Ende April sind alle Tiere aktiv.
Nach dem Winterschlaf erfolgt die Paarung. Die Jungen werden in der Nestkammer geboren und sind bei der Geburt nackt und blind. Sie wiegen nur etwa 6 g. Nur das Weibchen kümmert sich um die Jungenaufzucht.

Leider hat der Bestand der Ziesel in Österreich in den letzten Jahren stark abgenommen. Der Grund ist vor allem der Lebensraumverlust durch Intensivierung von landwirtschaftlichen Flächen oder durch Verbrachen und Zuwachsen von ehemaligen Hutweiden, die heute nicht mehr landwirtschaftlich genutzt werden. Auch auf der Perchtoldsdorfer Heide hat die Zahl der Tiere in den letzten Jahrzehnten stetig abgenommen. Musste man vor 25 Jahren noch darauf achten, nicht unabsichtlich auf die zutraulichen Tiere zu steigen, so konnten bei einer wissenschaftlichen Zählung 2005 nur mehr 42 Tiere nachgewiesen werden. Die Gründe für den Rückgang auf der Heide sind vielfältig und wurden 2005 in einem wissenschaftlichen Forschungsprojekt genauer untersucht!

Die Zahl der menschlichen Besucher war immer schon hoch und stellt an sich kaum eine Bedrohung dar - ganz wesentlich ist aber das Verhalten der Besucher! In den letzten 15 Jahren hat die Zahl der Hunde auf der Heide stark zugenommen. Frei umherstreifende Hunde stellen zwar keine unmittelbare Gefahr für Ziesel dar, müssen aber von den Zieseln als mögliche Gefahr ständig beobachtet werden. Kommen die Hunde zu nahe verschwinden die Ziesel für längere Zeit im Bau. Die direkte Folge ist weniger verfügbare Zeit für Nahrungsaufnahme und Jungenaufzucht. Auf längere Sicht schädigt dieser Dauerstress das Immunsystem und hemmt die Fortpflanzungsfähigkeit.

Auch die Fütterung der Ziesel mit fetten Nüssen oder sogar Schokolade ist für die Ziesel sehr schädlich, da ihr Verdauungssystem an harte, wasserarme und nährstoffarme Nahrung (Gräser, Kräuter, Grassamen) angepasst ist. Bei zu wasserreicher, süßer oder fetter Nahrung wird das Verdauungssystem geschädigt. Wenn Sie zur Beobachtung Ziesel füttern wollen, tun sie dies bitte nur mit Sonnenblumenkernen, oder kleinen Apfel- und Karottenstückchen. Was die Tiere nicht fressen, keinesfalls liegen lassen, sondern bitte wieder mitnehmen!

Denn liegen gebliebenes oder zum Bau gestreutes Futter für die Ziesel lockte in den letzten Jahren bis zu 30 Nebelkrähen an. Diese fressen in erster Linie das leicht erreichbare Futter, gehen aber aus Langeweile und Spieltrieb (Krähen sind hochintelligente Tiere!) gemeinsam auf die Jagd nach Zieseln und können sogar erwachsene Tiere erbeuten!

Auch das Fliegen mit Modellflugzeugen bedeutet für die Ziesel großen Stress, denn das Flugbild ähnelt stark jenem von Greifvögeln. Sind Modellflugzeuge auf der Heide unterwegs, verbringen die Ziesel lange Zeit versteckt in den Bauten. (Ergebnisse Forschungsprojekt 2005)

Seit 2004 wurden zum Schutz der Ziesel zahlreiche Maßnahmen gesetzt:

  • So gibt es seit 2004 wieder eine regelmäßige Beweidung und Entbuschung.
  • Beweidung und Entbuschung nehmen in den wichtigen Bereichen auf die Bedürfnisse der Ziesel Rücksicht: So bleiben auch Einzelbüsche und höhergrasige Bereiche als Deckung vor allem für die Jungziesel im Mosaik mit kurzrasigen Bereichen stehen. So wie es die Ziesel bevorzugen.
  • Eine Umzäunung schützt den Kernbereich der Zieselkolonie.
  • Die Leinenpflicht für Hunde und eine große Hundeauslaufzone haben dazu beigetragen, dass deutlich weniger Hunde ohne Leine unterwegs sind.
  • Auch das Füttern der Ziesel und besonders das Liegenlassen von Futter ist durch Aufklärungsmaßnahmen in den letzten Jahren deutlich zurück gegangen. Es bestehen keine Probleme mehr mit durch Futter angelockte Nebelkrähen.

Begleitet werden die Maßnahmen von einem Monitoring, das heißt die Ziesel werden jährlich von Expertinnen gezählt.

Die erfreulichen Ergebnisse der letzten Jahre zeigen, dass die Schutzmaßnahmen erfolgreich sind! Die Zahl der Ziesel stieg seit 2005 (42 Tiere) kontiniuierlich an und lag 2008 bei 67, 2010 bei 71 Tieren. Berücksichtigt man, dass die Zählmethode sehr konservativ arbeitet und daher den Zieselbestand eher unterschätzt, ist eine höhere Zahl sehr wahrscheinlich. Die Ziesel zeigen eine deutliche Ausbreitungstendenz und haben Flächen, die 2004 noch stark verfilzt und verbuscht waren und nun durch die Pflege wieder attraktiv sind, neu besiedelt.

Um die Ziesel auch in Zukunft auf unserer Heide erhalten zu können, bitten wir Sie folgende Dinge zu beachten:

  • Hunde an die Leine nehmen, nicht durch Flächen mit Zieseln gehen
  • Mountainbiken nur auf der dafür freigegebenen Straße
  • Ziesel nicht füttern
  • Kein Futter liegen lassen oder in die Ziesellöcher werfen

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