Die Perchtoldsdorfer Heide ist eine Kulturlandschaft und zum großen Teil nicht von natürlichem Ursprung. Dies verringert jedoch nicht ihren hohen Wert als Landschaft und Lebensraum.
Viele in der heutigen Zeit seltene trockenheitsliebende Pflanzen und Tiere wanderten über die Jahrtausende aus dem pannonischen Raum (Pannonikum) ein, dessen östliche Grenze an der Grenze des Wein- zum Waldviertel, durch Wien und entlang der Thermenlinie verläuft. Die natürlichen Lebensräume des Pannonikums sind neben lichten Trockenwäldern vor allem Trocken- und Halbtrockenrasen, die aber im letzten Jahrhundert in Österreich stark zurückgegangen sind. Große Teile wurden in Ackerflächen umgewandelt, aufgeforstet oder als Bauland verwendet.
Neben den Feuchtgebieten gehören Trockenrasen zu den am meisten gefährdeten Lebensräumen. In Österreich beträgt ihr Flächenanteil nur noch circa 0,018% (weniger als 2 Zehntausendstel!) des Bundesgebietes, umgerechnet also nur 17 km²! Zum Vergleich: Die Fläche des Ortsgebietes von Perchtoldsdorf beträgt 12 km².
Was ist ein Trockenrasen?
Trockenrasen sind Gras- und Kräuterbestände, die durch Trockenheit und geringen Nährstoffgehalt geprägt werden. Von Natur aus findet man sie dort, wo der Boden für das Vorkommen von Bäumen nicht tief genug ist. Diese Trockenrasen werden primäre Trockenrasen genannt und sind auf der Heide vor allem auf den Hügelkuppen zu finden, an denen das Dolomitgestein aus dem Untergrund hervortritt.
Wo der Boden tiefgründiger ist, findet man auf der Heide die sekundären Trockenrasen. Sie sind durch Rodung und jahrtausendelange Beweidung entstanden und würden ohne Pflegemaßnahmen in einigen Jahren verbuschen und sich zum Wald entwickeln, wie man es im eingezäunten Naturschutzgebiet auf der Kleinen Heide deutlich beobachten kann.
Seltene Tiere und Pflanzen
Mit den harten Lebensbedingungen, die in einem Trockenrasen herrschen, kommen nur speziell angepasste Pflanzen und Tiere zurecht. Einen großen Anteil der Vegetation bilden verschiedene Arten von niedrigwüchsigen Gräsern. Um Austrocknung zu vermeiden, besitzen sie oft sehr harte, schmale Blätter und treiben keine weitreichenden Ausläufer, wie es jene Gräserarten tun, die für einen Rasen in Gärten angepflanzt werden. Stattdessen stehen die Grashalme in dichten Büscheln, so genannten Horsten zusammen, in denen sich die Feuchtigkeit besser halten kann. Zusätzlich sind die einzelnen Halme in einem dichten Horst dem Wind und der Sonneneinstrahlung weniger ausgesetzt.
Zwischen den Gräsern findet man eine Vielzahl krautiger Pflanzen, aber auch immer wieder Stellen mit offenem, vegetationsfreiem Boden. Einige Pflanzenarten wie etwa die extrem seltene Pannonische Wolfsmilch benötigen diese offenen Stellen, da sie dort keine Konkurrenz durch andere Pflanzen erfahren und nur so überleben können.
Andere Trockenrasenpflanzen wie zum Beispiel die Kuhschelle haben als Schutz vor der hohen Sonneneinstrahlung eine starke Behaarung auf Blättern und Stängeln gebildet, durch die Lichtstrahlen reflektiert und die Verdunstung verringert werden. Zerteilte, gefiederte oder geschlitzte Blätter sowie Polsterwuchs schützen ebenfalls vor übermäßiger Verdunstung.
Eine weitere Strategie, um Trockenperioden zu überleben, ist das Absterben der oberirdischen Pflanzenteile nach der Blüte und Überdauern der Pflanzen im Boden mit Hilfe von Wasser speichernden Organen. Beispiele dafür sind einige heimische Orchideenarten oder die Zwergschwertlilie.
Aus der Gärtnerei und Landwirtschaft hören wir immer wieder, dass Pflanzen viele Nährstoffe brauchen, um gesund zu wachsen. Dies trifft jedoch im Fall der Trockenrasenpflanzen in keiner Weise zu. Sie haben sich an das niedrige Nährstoffangebot angepasst, indem sie es effizienter nützen, eher kleinwüchsig bleiben und nur sehr langsam wachsen. So benötigt ein Horst der Erd-Segge mehrere Jahre, um einen Durchmesser von 10 cm zu erreichen. Größere Mengen von Nährstoffen bringen den Trockenrasenpflanzen keinen Vorteil, da sie das erhöhte Angebot nicht nützen können.
Ein Überschuss an Nährstoffen ist sogar eine große Gefahr für einen Trockenrasen. Häufige Pflanzen wie zum Beispiel die Brennessel oder der Gewöhnliche Beifuß können die Nährstoffe besser verwerten und überwuchern den Trockenrasen. Auf der Perchtoldsdorfer Heide ist die immer stärkere Überdüngung durch den Hundekot ein großes Problem.
An die Eigenheiten der Trockenrasenvegetation haben sich auch viele Tiere angepasst, die nur in Trockenrasen zu finden sind. Zu ihnen gehört das Europäische Ziesel, das auf die niedrige, offene Vegetation angewiesen ist. Es ist in Österreich vom Aussterben bedroht und wird leider auch auf der Perchtoldsdorfer Heide immer seltener. Auch Äskulapnatter, Schlingnatter und die größte heimische Eidechsenart, die Smaragdeidechse sind durch zunehmende Störungen heute viel seltener anzutreffen.
Der große Blütenreichtum bietet unzähligen Kleintieren, vor allem Insekten Nahrung. Unter den 74 Tagfalterarten der Heide sind Schwalbenschwanz und Segelfalter die auffälligsten. Weitere Raritäten der Heide sind Schmetterlingshaft, Wespenspinne, Leinbiene, Gottesanbeterin und Sägeschrecke.
Ein großer Teil der Tiere und Pflanzen der Perchtoldsdorfer Heide ist in Österreich oder sogar europaweit gefährdet oder vom Aussterben bedroht. Es handelt sich also um große Besonderheiten, für deren Überleben wir alle Verantwortung tragen. Umso mehr sollten wir ihren Wert schätzen und uns um ihren Schutz bemühen, denn im Moment ist der Erhalt der Heide keineswegs ohne verstärkte Bemühungen möglich!
